Essen – Rellinghausen ist ein Stadtteil im Essener Süden und grenzt an die Ruhr. Er erstreckt sich über 1,4 km² Fläche und ist zu einem großen Teil bewaldet.

Der Name geht auf einen Ruold zurück, dessen Domizil in alten Dokumenten Ruoldinghus genannt wurde. Um 860 entstand aus seinem sächsischen Oberhof dann der endgültige Name Rellinghausen. Dokumente vor dem Jahr 1000 lassen bereits auf einen frühen Kirchenbau schließen, bevor ca. 990 die Gründung eines Kanonissenstifts durch die Essener Äbtissin Mathilde erfolgte. Auf dem Boden des Stifts wurde die Neue Isenburg im 13. Jahrhundert errichtet und nach 40 Jahren wieder zerstört. Seit dem 12. Jahrhundert thront auch Schloss Schellenberg der Adelsfamilie Vittinghoff-Schell über Rellinghausen. Unrühmliches ereignete sich im ausgehenden 16. Jahrhundert, als 42 Menschen wegen Hexerei hingerichtet wurden. Mit reichen Pfründen ausgestattet erreichte das Rellinghauser Stift seine größte Ausdehnung im 16. Jahrhundert. Es umfasste die heutigen Stadtteile Byfang, Überruhr-Holthausen, Überruhr-Hinsel, das Steeler Ruhrufer mit der Alten Ruhr, Bergerhausen, Heide und Vöcklinghausen. Durch Kriegswirren völlig verarmt, der Dreißigjährige Krieg gab dem Stift den Rest, wurde das Stift 1661 nach jahrhunderte langer Selbständigkeit wieder in das Essener Mutterstift eingegliedert. 1802 wurde das Stift säkularisiert, der Besitz der preußischen Staatsdomäne zugeführt. Das 19. Jahrhundert brachte weitere große Umwälzungen für das agrarisch strukturierte ehemalige Kirchdorf. Seit 1876 eine eigene Bürgermeisterei wurde in den Achtzigern der Bahnanschluss hergestellt, Großzechen teuften Schächte ab, zwischen 1860 und 1910, der erneuten Eingemeindung nach Essen, stieg die Einwohnerzahl  von 2.400 auf 12.900 Seelen.

Rellinghausen war um die Jahrhundertwende ein beliebter Naherholungsort, dem der Bergbau ein Ende setzte. Die großen Wälder vorwiegend auf dem Gebiet des Ortsteils Heide bieten allerdings heute, nachdem in der Sechzigern und Siebzigern die Zechen schlossen, wieder der Essener Bevölkerung Naherholungsraum. Im Zweiten Weltkrieg kaum zerstört stieg die Einwohnerzahl wegen des vorhandenen unbeschädigten Wohnraums kurzzeitig aus etwa 45.000 Einwohner. Um 1960 gliederte die Verwaltung der Stadt Essen unter bis heute ungeklärten Verhältnissen und ohne Genehmigung des Rats der Stadt den Stadtteil Heide aus und nannte ihn als nun eigenen Stadtteil Stadtwald.

Heute ist Rellinghausen ein gehobener Wohnstandort mit zahlreichen Alteneinrichtungen. Diese „weiße“ Industrie ersetzte die vielen tausend verlorenen Arbeitsplätze nicht, wie die aktuelle Einwohnerzahl von 3.600 ausweist. Teile des Dorfzentrums mit Fachwerkbebauung überlebte die Sanierungswut der Siebziger Jahre und erfreut heute alle. Seit 1516 wird alljährlich im Juli das Annenfest gefeiert, eines der wenigen überlebenden Brauchtumsfeste.

Schloss Schellenberg, ein überregional ausstrahlendes Kunsthaus, Zentrum moderner junger Kunst und die idyllische Lage mit Wald und Ruhr tragen zur Beliebtheit Rellinghausens als Top-Wohnlage bei.

 

                                                    

 

Literaturhinweise:

Ludwig Potthoff, Rellinghausen im Wandel der Zeit, 1953

Hans Schroer, Rellinghausen, 10 Hefte, 1980-1984

J. Stoll/N. Krüger, Bombennächte in Rellinghausen + Stadtwald 1940-1945, 2003

Stadt Essen, Essen sind wir, Bezirk II, 2007

Dr. Thorsten Scheer, Die Gottfried-Wilhelm-Kolonie, 2008

Dr. Klaus Lindemann, Rellinghausen in der Kaiserzeit, 2 Bände, 2010

Dr. Klaus Lindemann, Rellinghausen in der Weimarer Republik, 3 Bände, 2013