Gerichtsturm, genannt Blücherturm

Auf der Spitze eines Hügelrückens stehend, dreiseitig stark abfallend, bildet  der Gerichtsturm die Süd-Ost Ecke des alten Stiftsgeländes.

Der ursprüngliche Wehr- und Schutzturm wird, wie ein Vertrag zwischen Stift und dem Vogtrichter Wilhelm von Eyll aus dem Jahr 1567 bezeugt, zum Gerichtsturm umgebaut. Res publica in usum rei publicae me fieri fecit (Die Gemeinde ließ mich zum Wohle der Gemeinschaft entstehen), dieser Spruch zierte den Turm.

Der aus großen Ruhrsandsteinblöcken bestehende Turm besitzt einen nahezu quadratischen Grundriss von 7,02 x 6,88 m, die Wandstärke liegt zwischen 1,05 und 1,42 m im Keller- und Erdgeschoß sowie 0,85 m im Obergeschoss.
Keller- und Erdgeschoss besitzen ein Gewölbe.

Das Erscheinungsbild lässt annehmen, dass der Turm ursprünglich weitere Geschosse aufwies, wie auch die Wandstärken vermuten lassen und in seinen Anfängen bis ins Mittelalter zurück reicht.

Das heute aufgefüllte fensterlose Kellergeschoss diente als Verlies, in welches die Gefangenen mittels eines Seils, an dessen Ende ein Knebel geknüpft war, hinabgelassen wurden. Wie in zeitgenössischen Chroniken berichtet wird, ging es da unromantisch zu, in den eigenen Exkrementen sitzend, ohne Licht und im eigenen Gestank: Als einer nach zwei Jahren aus dem Verlies kam „war er aber in den zwaien jaren in der gefengnusen so gar abkommen, auch so ungestalt und verendert worden,“ das es ihm Mühe machte, Gattin und Söhne von seiner Identität zu überzeugen. Das heutige Erdgeschoss war vermutlich eine Folterkammer, insbesondere zu Zeiten der Hexenprozesse. Der Gerichtsaal befand sich im ersten Stock, der über eine heute nicht mehr existierende Freitreppe erreicht wurde. Die Richter saßen auf Bänken in den Fensternischen, beim Umbau 1997/98 haben wir die Reste gefunden.
Das jetzige Dachgeschoss stammt aus dem Jahr 1798, die Giebel des Satteldachs sind ausgemauerte Fachwerkscheiben.

Nach einer wechselvollen Geschichte und dem Wegzug des Gerichts diente der Turm im Lauf der Zeit als Feuer-Spritzen-Garage, Wohnung und Jugendorganisationen als Vereinsheim.
Der Polizeisergeant Robeck, Bewohner der Dienstwohnung im Dachgeschoss, wurde wegen seines Barts Blücher gerufen, welches dem Turm seinen Spitznamen gab.

Nach langen Verhandlungen erwarb die Bürgerschaft 1997 den Turm von der Stadt Essen und renovierte ihn bis Herbst 1998 mit großer finanzieller Unterstützung der NRW- Stiftung.

Heute dient er als Archiv und Ausstellungsraum. Seit seiner Wiederinbetriebnahme sahen viele tausend Besucher Ausstellungen unterschiedlichster Couleur wie Klöppeln, Zinnsoldaten, Knöpfe, Gemälde, Fotografien, Modelle und zu geschichtlichen Themen.